• Russian
  • English
  • French
  • German
ИНФОРМАЦИЯ
Главная
Mission der Organisation
История
Контакты
Фотогалерея
Карта проезда
Библиотека
Partner und Spender
Как нам помочь?
Международные связи
ПРОЕКТЫ
Дневная служба
Приют
Реабилитационный центр
Ночной автобус
Правовая защита
Сетевая работа
ПУНКТ ОБОГРЕВА
Общественные акции


Архив
Погода
06 2010 (день, 16:00):
Температура: 14..16°C
Атм. давл.: 769..771мм.р.с.
Ветер: сев 2..4 м/с
Отн. влаж.: 62..64%
Комфорт: 14..16°C
ясно без осадков
06 2010 (вечер, 22:00):
Температура: 11..13°C
Атм. давл.: 769..771мм.р.с.
Ветер: с-в 1..3 м/с
Отн. влаж.: 73..75%
Комфорт: 11..13°C
ясно без осадков
07 2010 (ночь, 04:00):
Температура: 10..12°C
Атм. давл.: 770..772мм.р.с.
Ветер: ю 1..3 м/с
Отн. влаж.: 74..76%
Комфорт: 10..12°C
ясно без осадков
07 2010 (утро, 10:00):
Температура: 12..14°C
Атм. давл.: 770..772мм.р.с.
Ветер: зап 1..3 м/с
Отн. влаж.: 74..76%
Комфорт: 12..14°C
малооблачно без осадков
 
Главная arrow История
Drucken E-Mail


 

Arbeit, Geschichte und Erfolge von “Nachtasyl” sowie die besondere Problematik der Obdachlosen in Russland

 

Maxim Egorow

 

Obdachlosigkeit in St.Petersburg – der Blick von innen

 

 

Die politischen Veränderungen in den letzten zehn Jahren haben sich verheerend ausgewirkt und zu einer Verarmung großer Bevölkerungsgruppen geführt. Besonders erschreckend ist, dass in Städten wie St.Petersburg viele Tausend Menschen durch kriminelle Machenschaften ihre Wohnung verloren haben und nun obdach- und rechtlos sind.

Der folgende Beitrag basiert auf den zehnjährigen Erfahrungen des Autors in der karitativen Organisation „Nachtasyl“und beschreibt sowohl die Arbeit und Erfolge der Organisation, als auch die besondere Problematik der Obdachlosigkeit in Russland und deren Ursachen.

 

 

„Von der Decke der Erdhütte tropft es. Unter den Füßen ist klebriger Matsch. Der Frost mit Schnee verspätet sich in diesem Jahr. Es ist schon Dezember und es regnet immer noch. Die Erdhütte ist zum Überwintern überhaupt nicht geeignet. Sie wurde nicht von mir ausgehoben, es ist eine ehemalige deutsche Erdhütte. Davon gibt es genug in den Wäldern rings um St.Petersburg. Ich habe sie nur tiefer gemacht, mit Brettern überdacht, mit Folie überzogen und mit Moos und Blättern isoliert. Ich habe eine Liegepritsche gebaut. Sehr mühsam quäle ich mich mit dem Ofen, aber er qualmt trotzdem sehr stark. Nein, der Winter selbst macht mir keine besondere Angst. Ich bin nicht das erste Jahr auf der Straße. Eine große Stadt ist in der Nähe, ein Stück Brot werde ich schon finden…“

 

Im Juni 1998 lebten nach den Angaben des Instituts für soziale und ökonomische Probleme der Bevölkerung nicht weniger als 4,2 Millionen Obdachlose in Russland. Als Obdachloser gilt in Russland ein Mensch, der keine amtliche Anmeldung für einen festen Wohnsitz besitzt. Eine Anmeldung zu erhalten, ist außerordentlich schwierig. Dafür muss man entweder eigenen Wohnraum besitzen oder Verwandte haben, die einverstanden sind, jemanden bei sich anzumelden. Der Staat bietet keine Wohnungen an. Es gibt auch keine sozialen Institutionen, die eine solche Möglichkeit schaffen könnten. Die Anmeldung steht eng mit der Inanspruchnahme der bürgerlichen Rechte und Freiheiten eines Menschen in Verbindung. Medizinische und soziale Hilfe, Recht auf Arbeit und Wahlrecht – das alles verliert ein Mensch, der keine Anmeldung besitzt. Dies bestimmt die schwierige Lage der Obdachlosen in Russland, und oft können Obdachlose diese Situation nicht bewältigen.

 

„Nachtasyl“ hat sine Tätigkeit im Dezember 1990 in St.Petersburg aufgenommen und wurde zur ersten russischen Organisation, die das Ziel verfolgt, die Probleme der obdachlosen Menschen zu lösen. Das Konzept von „Nachtasyl“ zielt nicht nur direkte Hilfe, sondern ist auch auf eine Änderung der Gesetzgebung und auf eine Veränderung der öffentlichen Meinung zum Problem der Obdachlosigkeit gerichtet.

 

Um die Besonderheit der russischen Obdachlosigkeit einschätzen zu können, muss man die historischen Voraussetzungen verstehen, die zur gegenwärtigen Situation geführt haben. In der Zeit der Sowjetunion gab es keine Freiheit bei der Wahl des Wohnortes.

Menschen, die in Kolchosen arbeiteten, besaßen keine Pässe, und ohne diese war es ihnen nicht erlaubt, sich frei im Lande zu bewegen. Ein Wohnungsmarkt war nicht vorhanden (es gab praktisch ein vollständiges staatliches Monopol auf Wohnraum und auf Grund und Boden). Dies machte eine freie Wahl des Wohnsitzes unmöglich.

 

Der Staat hat seine Bürger wie die Schrauben einer Maschine angesehen, deren einzige Aufgabe darin bestand, sich streng an die Regeln der Betriebsanweisungen zu halten und sich zur Schaffung des allgemeinen Glücks der Gesellschaft zu drehen. Das führte zu den entsprechenden Lösungen des Wohnproblems: Wohnheim und Dienstwohnungen als einzig möglicher Wohnraum für Millionen sowjetischer Bürger waren typische Erscheinungen einer „Pseudo-Leibeigenschaft“.

 

Das ökonomische System des Landes basierte lange Zeit auf dem totalen Zwang durch den Staat. Stalinistische Lager waren der eigentliche Motor der Wirtschaft. In der Zeit des so genannten Tauwetters Ende der 50-er und Anfang der 60-er Jahre wurde der Regierung des Landes klar, dass ein Abbau der Armee von Lagersklaven zur Schwächung des ökonomischen Potentials des Landes führen würde.

 

Da die Regierenden keine anderen ökonomischen Maßnahmen außer Zwangsmaßnahmen gewohnt waren, wurden in das Strafrecht die Artikel 198 und 209 eingeführt, die ein Leben ohne Anmeldung , das Betteln und das Fehlen eines ständigen Arbeitsplatzes als Straftaten mit entsprechender Strafverfolgung ansahen – mit Haftstrafen von bis zu einem Jahr. Wer einige Monate nicht gearbeitet hatte, wurde verurteilt. Nach Beendigung der Haft wurde es ihm verboten, in den Großstädten (Moskau, Leningrad) zu wohnen.

 

Wenn er dort keine Arbeit finden konnte, wo er einen Platz im Wohnheim oder im besten Fall eine Dienstwohnung bekam, musste er wegen Landstreicherei wieder ins Gefängnis (Arbeitslager). Auf diese Weise wurde die Zahl der Lagersklaven immer auf dem Niveau gehalten, das für die Funktionsfähigkeit des ökonomischen Systems des Staates nötig war. Es muss noch die Wohnungsgesetzgebung erwähnt werden: Nach diesen Bestimmunen wurde es einem mit Gefängnis bestraften Menschen die amtliche Registrierung und das Recht auf seine Wohnung entzogen. Als Folge wurde ein Mensch, der aus dem Gefängnis entlassen wurde, obdachlos.

 

Nach den Ergebnissen einer soziologischen Untersuchung, die von „Nachtasyl“ 1994 zusammen mit dem Institut für Soziologie der russischen Akademie der Wissenschaften durchgeführt wurde, war bei 48% der Obdachlosen der primäre Grund des Wohnungsverlustes eine Strafe mit Freiheitsentzug. Dabei wurde jeder Sechste nach den Artikeln 198 und 209 verurteilt. Im Jahre 1990 nahm „Nachtasyl“ den Kampf für die Abschaffung derjenigen Paragraphen des Strafgesetzbuches, die eine strafrechtliche Verfolgung für Landstreicherei, Betteln und das Fehlen eines ständigen Arbeitsplatzes vorsahen. Eine offizielle Registrierung der Organisation wurde erst nach Abschaffung dieser Paragraphen im Dezember 1991 möglich.

 

Im Jahr 1990 konnte man Lebensmittel nur nach Vorlage spezieller Lebensmittelkarten bekommen. Diese Dokumente wurden nur an Personen mit festem Wohnsitz und Anmeldung ausgehändigt. „Nachtasyl“ erarbeitete ein Verfahren zur Registrierung der Obdachlosen und erreichte bei der Stadtverwaltung, dass eine Entscheidung über die Zuteilung von Lebensmittelkarten für Obdachlose zum Bezug von Grundnahrungsmitteln getroffen wurde. Im Jahr 1993 wurde eine Kantine für Obdachlose eröffnet.

 

 

Wenn Wohnraum zur Ware wird

 

Im Jahr 1992 begann die Privatisierung des Wohnraums. Es wurde die Möglichkeit geschaffen, Wohnraum zu kaufen und zu verkaufen. Viele Menschen, die durch Jahrzehnte vom Leben in der Sowjetunion geprägt wurden, waren nicht bereit oder überfordert, Verantwortung für die plötzlich erworbenen Eigentumsrechte zu übernehmen.

 

Es entstand ein Schwarzmarkt für privatisierten Wohnraum. Opfer der Verbrechen wurden im Bereich Immobilienhandel wurden in erster Linie alte Leute, Alkoholiker, ehemalige Heimkinder, Personen mit psychischen Erkrankungen und geistig zurückgebliebene Menschen. Diese Gruppen wurden beim Abschluss von Verträgen hintergangen und auf die Straße gesetzt. Einige Menschen glaubten an die Versprechungen von oft unsoliden und noch häufiger einfach kriminellen Firmen und wurden obdachlos, da sie die eigenen Wohnungen verkauft hatten, um in diese Firmen zu investieren. Sie hofften auf hohe Renditen, um dann einen besseren Wohnraum zu erwerben. Nach Feststellungen von „Nachtasyl“ wurden im Jahr 1997 ein Drittel der Menschen auf Grund krimineller Machenschaften im Zusammenhang mit dem Erwerb oder Verkauf von Wohnraum obdachlos.

 

In dem 1999 von „Nachtasyl“ herausgegeben Buch „Erzähl Deine Geschichte“ schildert eines der Opfer seine Erfahrungen: „Ich heiße Wadik. Ich bin 32 Jahre alt. Im Januar 1994 starb mein Vater, im Juni meine Mutter. Ich hatte sie sehr geliebt. Sie war für mich nicht nur eine Mutter, sondern auch ein Freund, an den ich mich immer wenden konnte, um Rat zu bekommen, und der mir immer beistand. Ihr Tod war für mich ein Schlag und ein sehr schmerzlicher Verlust. Ich blieb alleine. Ich hatte eine Zweizimmerwohnung und wollte sie gegen eine kleinere tauschen. Ich wollte eine andere Wohnung haben, weil mich in der alten Wohnung alles an meine Mutter erinnerte. Ich geriet dabei an Gauner: Sie haben mir geholfen, meine alte Wohnung zu verkaufen und mich abzumelden. Aber sie haben vergessen, mir eine neue Wohnung zu kaufen. Mir blieben nur das, was ich anhatte, als ich die Wohnung verließ, und mein Pass. Alle meine Sachen wurden weggeschafft. Wohin, weiß ich nicht. Die Wohnung wurde an eine andere Agentur verkauft. Ich habe noch einen Monat im Werk gearbeitet, dann wurde der Betrieb geschlossen. Das war 1994, und alle militärischen Betriebe wurden geschlossen. Ich begab mich auf die „Reise“, wurde also obdachlos. Ohne Anmeldung kann man keine gute Arbeit bekommen, nur als Hilfsarbeiter oder Packer. Ich habe aber drei Diplome über Fachausbildungen. Ein weiteres Problem für Obdachlose ist die Obdachlose dürfen sich nicht an einen Arzt wenden. Sie dürfen nicht krank werden. Neulich tat mir der Weisheitszahn weh: Die Ambulanz wurde gerufen. Sie sagten, der Zahn müsse herausoperiert werden. Ohne Versicherung haben sie mich nicht mitgenommen. Ich war gezwungen, mit einem fremden Pass und mit einer fremden Versicherung die Operation durchführen zu lassen.2

 

Die Tragik der Situation dieser „neuen Obdachlosen“ ist in hohem Maße dadurch zu erklären, dass der Staat praktisch keine Schutzmaßnahmen für die Rechte derjenigen Menschen vorgesehen hat, die aufgrund krimineller Machenschaften obdachlos wurden. Es gibt keine staatlichen Programme für die Resozialisierung und vor allem für die Bereitstellung einer provisorischen Bleibe für die Obdachlosen. Im Mai 1994 gab es auf dem gesamten Territorium der Russischen Föderation 11 Übernachtungshäuser mit einer Gesamtkapazität von 610 Betten.

 

Ohne Wohnung keine Arbeit und keine Rechte

 

Die derzeitige Gesetzgebung nimmt den Obdachlosen das Recht, legale Arbeit aufzunehmen. Ohne Anmeldung kann niemand Rente und Sozialhilfe beziehen. Ein Mensch ohne Anmeldung darf nicht wählen. Der Ausschluss der Obdachlosen vom Wahlprozess entlastet die russischen Politiker damit von dem Druck, sich um das Wohl von vier Millionen Russen zu kümmern.

 

„Ich habe meine Wohnung in Sotschi verkauft und das Geld in einen Neubau in St.Petersburg im November 1993 investiert. Das Ergebnis – kein Geld, keine Wohnung. So wurden ich und mein Sohn obdachlos. Zuerst wohnten wir bei meiner Tochter. Ihr erster Mann kam ums Leben, der zweite aber war kategorisch gegen unser gemeinsames Wohnen. Er hat uns auf die Straße gesetzt und die Miliz gerufen. Ich habe ohne ein einziges Stück Brot gelebt, litt an Unterernährung, da ich ohne Anmeldung keine Rente beziehen konnte. Wir haben immer dort übernachtet, wo es sich ergab. Sich vorzustellen, was ich erlebt habe und noch bis heute erlebe, ist grausam. Mein Sohn ist 27 Jahre alt. Er ist von der Polizei ständig bestraft wurden, weil er keinen festen Wohnsitz und keine Anmeldung besitzt.“

 

Im Jahr 1992 wurde von uns in St.Petersburg das erste „Nachtasyl“ eröffnet. Im Jahr 1994 wurde die Zeitung „Nachtasyl“ gegründet. Das Hauptziel dieser Zeitung ist es, den Obdachlosen zu helfen, wieder in die Gesellschaft integriert zu werden und ihnen die Möglichkeit zu schaffen, legal eine Arbeit aufzunehmen. Die Verteiler der Zeitung sind die Obdachlosen selbst. Die Zeitung „Nachtasyl“ ist seit 1995 Mitglied des internationalen Netzwerkes der Obdachlosenzeitungen. Zurzeit erscheint die Zeitung in einer Auflage von 15.000 Exemplaren. In den Jahren 1993 und 1996 hat die „Nachtasyl“ die Voraussetzungen für die Teilnahme der Obdachlosen an den Wahlen und an der Volksabstimmung über die Verfassung der Russischen Föderation in St.Petersburg geschaffen.

 

Der frühe Tod vieler Obdachloser

 

Das Gesundheitssystem ist für die meisten Obdachlosen nicht zugänglich. Es existiert der Begriff „Planheilung“, das heißt, den Obdachlosen wir nur in Notfällen medizinische Hilfe geleistet. Sobald eine gesundheitliche Besserung eintritt, werden sie aus dem Krankenhaus entlassen. Ein tatsächlicher Heilungsprozess bis zur Genesung findet nicht statt. Für die „Planheilung“ braucht man eine Versicherung, die nur nach amtlicher Anmeldung abgeschlossen werden kann.

 

Nach einer im Jahr 1994 von „Nachtasyl“ im Auftrag der Städtischen Gesellschaft für die Krankenversicherung durchgeführten Untersuchung über die Zahl der Obdachlosen lebten 54.000 Menschen ohne amtliche Registrierung in St.Petersburg. Die Todesstatistik unter ihnen demonstriert den Grad des Desinteresses des medizinischen Versorgungssystems am deutlichsten: Im Jahr 1994 kamen 3.515 Obdachlose in die Leichenhalle. Diese Zahl übersteigt den Durchschnitt aller städtischen Todesfälle um das Vierfache. Auffällig ist, dass von diesen 3.500 Menschen 1.042 Menschen in Höfen, Fluren, Kellern, Treppenhäusern und Dachböden starben. Nicht selten wurden als Todesursache Unterkühlung, Selbstmord, gewaltsamer Tod und eine sehr stark fortgeschrittene Unterernährung festgestellt.

 

Im selben Jahr gelang es der Organisation Nachtasyl, dass die Krankenversicherung eine Urkunde über die Registrierung von Obdachlosen anerkannte.

 

Neue Gesetze und Vorschriften werden durchgesetzt

 

Im Januar 1995 beteiligte sich „Nachtasyl“ an der Erarbeitung einer Reihe von Ordnungsvorschriften, die das Problem der Obdachlosigkeit lösen konnten, und es gelang, die Stadtverwaltung für diese Vorschläge zu gewinnen. „Nachtasyl“ erreichte die Verabschiedung eines Gesetzespaketes durch die exekutiven und legislativen Organe der Stadt und hatte auch einen großen Anteil an der Ausarbeitung dieser Gesetze. Darunter war auch das Gesetz „Über vorbeugende Maßnahmen gegen Obdachlosigkeit in St.Petersburg und ein entsprechendes Programm der Sozialhilfe.

 

Im Jahr 1996 wurde die Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ nach St.Petersburg eingeladen und eröffnete eine Station für ambulante medizinische Hilfe für Obdachlose. Im Jahr 1998 richtete die Stadt im Rahmen des „Städtischen Programms der vorbeugenden Maßnahmen vor Obdachlosigkeit“ mit aktiver Hilfe von „Nachtasyl“ und „Ärzte ohne Grenzen“ einen medizinischen Stützpunkt für Obdachlose ein. Es wurde auch ein „Städtischer Anlaufpunkt zur Registrierung der Bürger der Russischen Föderation ohne festen Wohnsitz“ gegründet. Bei der Arbeit dieses in Russland erstmalig von staatlichen Stellen gegründeten Registrierungsbüros für Obdachlose wurde das Konzept unserer Organisation zu Grunde gelegt.

 

„Ich bin 1925 geboren. Im Jahr 1942 meldete ich mich als Freiwilliger zur Armee. Dies war der Anfang meines schweren Lebens. 1945 wurde ich zum dritten Mal verwundet. Bis November 1996 lebten ich und meine Frau in Grosny. Es kam Unglück über uns: Unser Haus wurde zerbombt. Drei Tage und drei Nächte saßen wir verschüttet im Keller. Als die Truppen uns befreiten, kamen wir nach Mosdok. Alles, was wir erarbeitet hatten, war vernichtet. Mir tat der Verlust meiner Kriegsorden sehr leid (ich hatte fünf Orden und zwölf Medaillen). Von den Personalunterlagen ist nichts erhalten geblieben. Nachdem wir obdachlos geworden waren, wurden wir vom Flüchtlingsdienst nach St.Petersburg gebracht. Hier fanden wir eine Bleibe bei unserer Tochter in einem Zimmer von 12 Quadratmetern. So leben wir bis heute. Keiner braucht uns mehr. Nachdem wir die Wohnung verloren hatten, hilft uns keiner…“

 

Ich bin 34 Jahre alt.

Ich habe kein Haus, ich besitze nichts.

Tschetschenien. August 96. Krieg.

Zwischenstille.

Flughafen. Zwei Kinder im Arm.

Kinder der Schwester.

Mosdok, Moskau, St.Petersburg.

 

Gegenwart.

Ich studiere. Wohnheim.

Zu unterhaltende Personen: Ein Junge, 11 Jahre alt.

 

Zukunft.

Das letzte Jahr der Aspirantur.

Kein Studium heißt kein Wohnheim.

…Kein Wohnsitz…keine Zukunft…

Es gibt nichts…

 

 

Aus der Statistik von „Nachtasyl“: In St.Petersburg leben heute 54.000 Menschen ohne festen Wohnsitz und amtliche Anmeldung, davon 80 Prozent im arbeitsfähigen Alter. 73 Prozent von ihnen sind Männer. 30 Prozent haben eine Fach- und Hochschulausbildung, aber nur 5 Prozent haben einen festen Arbeitsplatz, 32 Prozent sind Bettler. Die Zahl der Obdachlosen, die sich Hilfe suchend an uns wenden, wächst ständig: Im Jahr 1998 haben 5.635 Obdachlose unsere Organisation um Hilfe gebeten. 1999 waren es schon 8.671 und im Jahr 2000 erreichte diese Zahl 9700. Dabei zeichnet sich die Tendenz ab, dass immer mehr Frauen und Kinder obdachlos werden. Im Jahr 1999 lag der Anteil von Frauen bei 19 Prozent, im Jahr 2000 stieg ihr Anteil auf 31 Prozent. Auch die Zahl der Kinder, die sich mit der Bitte um Hilfe an uns wenden, stieg um mehr als das Dreifache von drei Prozent im Jahr 1999 auf 10 Prozent im Jahr 2000.

 

Die Organisation „Nachtasyl“ leistet Obdachlosen auf folgende Weise Hilfe:

 

Registrierung der Obdachlosen

Beihilfe zur medizinischen Versorgung der Obdachlosen

Beratung der Obdachlosen in Fragen der sozialen Wiedereingliederung

Initiativen für die Teilnahme an der Erarbeitung von normativrechtlichen Maßnahmen, die die Stellung der Obdachlosen regeln

Unterhalt eines sozialen Hotels für 50 Personen

Unterhalt eines Nachtasyls für 35 Personen

Rehabilitation obdachloser Alkoholiker

Unterhalt eines kleinen Waschsalons für Obdachlose

Sammeln und Verteilen von Kleidung, Schuhen und Artikeln des täglichen Bedarfs

Abschluss eines Vertrages für den Vertrieb der Zeitung „Nachtasyl“, Arbeit mit den Zeitungsverteilern

Zusammenarbeit mit anderen sozialen Organisationen, staatlichen und städtischen Stellen mit dem Ziel, das Problem der Obdachlosigkeit zu lösen und den Obdachlosen in St.Petersburg umfassende Hilfe leisten zu können.

 

Zurzeit arbeiten bei „Nachtasyl“ 7 Personen im Alter von 30 bis 60 Jahren. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind seit drei bis sieben Jahren für die Organisation tätig. „Nachtasyl“ finanziert sich ausschließlich durch private Spenden und karitative Zuwendungen. Nicht alle unsere Projekte haben eine gesicherte Finanzierung, 1995 hatten wir für das ganze Jahr keinerlei Mittel, um die Löhne an unsere Mitarbeiter auszahlen zu können. Alle Mitarbeiter haben unentgeltlich gearbeitet. Im Jahre 2000 hatten wir ebenfalls finanzielle Probleme. Leider hat sich noch keine russische Tradition der Mildtätigkeit herausgebildet. Nicht alle ausländischen Partner haben die Möglichkeit, uns im Bereich der Personalkosten zu unterstützen. Unser Dank gilt dem Diakonischen Werk Hamburg und allen privaten Spendern aus Hamburg, die unsere Tätigkeit in dieser schweren Zeit unterstützen.

 

Wenn man in Russland in diesen instabilen Zeiten lebt, kann man sich trotzdem nicht der Verantwortung für alles, was im Land geschieht, entziehen. Jeder muss sich bewusst sein, dass auch er sein eigenes Heim verlieren kann. Dann wird es ihm sehr schwierig, sein Recht auf ein Leben in Würde gegenüber dem Staat zu verteidigen. Wenn wir den Obdachlosen helfen, bauen wir einen stabilen Staat für uns selbst und für unsere Kinder, und das ist der Antrieb für unsere heutige Tätigkeit.

 

 

Übersetzung aus dem Russischen : Tatjana Tatarskaja

 

 

Maxim G. Egorow ist Vorsitzender der karitativen Organisation „Nachtasyl“ e.V. in St.Petersburg. Er wurde 1970 geboren. Nach dem Studium hat er von 1994 an als Psychotherapeut in einer städtischen Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche in Nowosibirsk gearbeitet. Von 1997 bis 1999 war er als Sozialberater in einer medizinischen Anlaufstelle für Obdachlose in St.Petersburg tätig und hat seither entscheidenden Anteil am Aufbau von „Nachtasyl“.

 
 
Акции

как сделать пожертвование через терминал Уникассы




Image

Межрегиональная Сеть "За преодоление социальной исключенности"

 
Image
 
Факты
Причинами бездомности в 2005 году были:
Семейные проблемы – 35%
Экономическая миграция – 24%
Отбывание заключения – 18%
Обман при продаже жилья – 15%
 
Спасибо

Огромное спасибо Дмитрию и его жене за блины и вещи, которые они подарили жильцам приюта "Ночлежка"!

 
 

Проверить аттестат
© 2010 homeless.ru